Boom, Bupp und Plopp

Mein Vater nannte es Comicsprache. Wahrscheinlich macht das jeder (vorrangig in der Pubertät) mal durch: zur Unterstützung der eigenen Rede nimmt man lautmalende Wörter zu Hilfe:

«Und dann kamm da so *wroooam* ein fettes Auto um die Ecke, *iiiietsch* bremste direkt vor mir, hupte *möööp* laut, der Motor noch so *tick-tick-tick* stieg der Fahrer aus, knallte die Tür *pamm* zu und kam mir *tap-tap-tap* entgegen und stieß *schepper* eine Mülltonne um.»

Weil mir in letzter Zeit auffiel, dass viele in meinem Umfeld (das ist jetzt nicht nur örtlich gemeint) immer wieder ein und dasselbe Wort benutzen (siehe unten), habe ich mich im Netz ein wenig auf die Suche gemacht.
Der Fachmann nennt es Onomatopoesie oder Lautmalerei. Es ist die Nachahmung von Naturlauten. Lustig ist dabei die unterschiedliche Art und Weise je nach Herkunftsland. Ein Hund wird z.B. in China mit «Wang Wang», im Englischen mit «Bow Wow» und in Schweden mit «Vov vov» nachgeahmt. Mehr gibt es bei Sound of the World’s Animals.
Beispiele:

  • Steve Jobs: *boom!*
  • André: *bupp!*
  • mein Chef: *zimk!“
  • Anina: *shoop*
  • Nele: *mooohp*

Von Silvia Sperling und Stephan Weiß gibt es sogar ein Seminarprojekt (2000) darüber: Comicsprache und wie ich dank Kristian Köhntopp erfahre, gibt es nun sogar den Erikativ, benannt nach Erika Fuchs, der diesjährig verstorbenen Disney-Übersetzerin:

Erikativ ist ein pseudowissenschaftlicher Neologismus zur Bezeichnung einer besonderen Kategorie von Text-Emoticons wie zum Beispiel *schulterzuck*. [..] Fachsprachlich ist die Bezeichnung Erikativ ungebräuchlich; es gibt aber keinen anderen Fachausdruck dafür.

Dann kann ich ja hier auch gleich mal anmerken, dass ich E-Mails, die zu grossen Teilen nur noch aus Erikativen und Emoticons bestehen, absolut gruselig finde.
*Mal-die-Meinung-gesagt-habend*

Posted Donnerstag, Dezember 15th, 2005 under RL.

3 comments

  1. *chats-unter-anderem-darum-doof-find* *zu-alt-sei*?

  2. Zu welchen Gelegenheiten geben die Menschen in deiner Umgebung diese Lautmalereien von sich? Nur in Mails oder auch face-to-face?

  3. Die Lautmalereien gibt es in der Tat face-to-face. Die genannten Beispiele dienen eigentlich immer nur dazu, ein schnelles Erscheinen zu betonen. Das halt etwas *zack* einfach da ist.

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